Performance beginnt mit Klarheit und endet nicht mit Kennzahlen
Ein Rückblick auf die Performance Convention 2026
Wie entsteht Leistung in unterschiedlichen Organisationen? Bei der Kienbaum Performance Convention 2026 ordnete Univ.-Prof. Dr. Tobias Thomas die wirtschaftliche Lage Österreichs ein. Im anschließenden Gespräch zeigten Elke Berger vom Raiffeisen Service Center und Alfred Berger von der NÖM AG, wie unterschiedlich Unternehmen Performance steuern und was sie dabei verbindet.
Mehr Leistung zu erzielen, ist ein naheliegendes Ziel. Die entscheidende Frage lautet jedoch: Was bedeutet Leistung konkret und welche Bedingungen helfen Menschen, sie zu erbringen? Bei der Kienbaum Performance Convention am 15. Oktober wurde deutlich, dass es darauf keine allgemeingültige Antwort gibt. Die Steuerung muss zur Aufgabe, zum Geschäftsmodell und zur Kultur einer Organisation passen.
Univ.-Prof. Dr. Tobias Thomas stellte die Diskussion in einen volkswirtschaftlichen Zusammenhang. Wohlstand entsteht nicht allein dadurch, dass Kapital und Arbeit vorhanden sind. Entscheidend ist, wie produktiv beides eingesetzt wird. Österreichs Produktivitätswachstum hat sich über längere Zeit abgeschwächt. Zugleich begrenzen demografische Veränderungen das verfügbare Arbeitskräftepotenzial.
Für Unternehmen und Politik ergibt sich daraus eine gemeinsame Aufgabe: Investitionen, Innovation und Technologie müssen bessere Voraussetzungen bekommen. Unternehmen können die Spielräume nutzen, indem sie Arbeit gut organisieren und Menschen, Kapital und Technologien wirksam zusammenbringen. Dazu gehören auch passende Leistungs- und Vergütungssysteme.
Diese Perspektive führt direkt zur betrieblichen Praxis. Denn wirtschaftliche Performance entsteht nicht durch Kennzahlen allein. Sie hängt auch davon ab, ob Ziele verständlich sind, Verantwortlichkeiten klar geregelt werden und Mitarbeitende nachvollziehen können, woran gute Arbeit gemessen wird.

Drei Organisationen, drei Logiken der Leistung
Wie unterschiedlich Performance verstanden werden kann, zeigte der Blick auf die vertretenen Organisationen. Die NÖM AG produziert Lebensmittel, das Raiffeisen Service Center erbringt Dienstleistungen für Banken.
In der Produktion ist Leistung sichtbar: Anlagen, Schichten und Teams liefern konkrete Mengen. Bei der NÖM können Mitarbeitende Produktionswerte vergleichen und gemeinsam nach den Gründen für Unterschiede suchen. Liegt es an der Anlage, an der Auftragslage oder an den Abläufen? Die Kennzahlen schaffen Orientierung, müssen aber eingeordnet werden. Wenn Aufträge fehlen oder Maschinen stillstehen, wirken sich diese Entwicklungen unmittelbar auf die Beschäftigten aus.
Im Raiffeisen Service Center gelten andere Maßstäbe. Das Unternehmen wickelt unter anderem Zahlungsverkehr, Wertpapierprozesse und Kundenanliegen für rund 160 Raiffeisenbanken ab. Als Costcenter verrechnet es seine Kosten verursachungsgerecht an die Mandanten. Leistung zeigt sich deshalb vor allem darin, Prozesse fehlerfrei, in der vereinbarten Zeit und mit der zugesagten Erreichbarkeit abzuwickeln.
Kennzahlen wie Bearbeitungsdauer, Wartezeit und Nachbearbeitungszeit machen Abläufe sichtbar. So sollen Zahlen die Eigenverantwortung stärken und Verbesserungen ermöglichen, ohne einzelne Personen unter permanenten Kontrolldruck zu setzen. Eine Beteiligung am Unternehmenserfolg verbindet wirtschaftliche Ziele zusätzlich mit den Menschen, die sie erreichen.
In der Wissenschaft und in öffentlichen Organisationen wiederum lässt sich Leistung nicht auf wenige finanzielle oder mengenbezogene Größen reduzieren. Tobias Thomas berichtete von einem Kennzahlensystem bei Statistik Austria, das neben Finanzdaten auch Kunden- und Serviceorientierung, Innovation, Prozesse, Mitarbeiterzufriedenheit und Weiterbildung berücksichtigte. Die Kennzahlen dienten dabei nicht nur der Steuerung. Weil Management, Mitarbeitende und Aufsichtsgremien dieselben Informationen erhielten, unterstützten sie auch die gemeinsame Orientierung.

Leistung muss definiert werden, bevor sie bewertet wird
Aus den unterschiedlichen Beispielen folgt eine gemeinsame Erkenntnis: Ein Kennzahlensystem muss zur Organisation passen. Was in einer Produktionslinie sinnvoll ist, kann in einem Forschungsinstitut oder einem Servicecenter wenig aussagen. Auch Führungsspannen lassen sich nicht nach einer starren Regel festlegen. Entscheidend sind Aufgaben, Fachlichkeit und die verfügbare Zeit für Führung.
Bevor Unternehmen Leistung beurteilen oder vergüten, sollten sie deshalb klären, was sie unter guter Leistung verstehen. Woran ist sie erkennbar? Welche Ergebnisse und welches Verhalten zählen? Und was soll ausdrücklich nicht belohnt werden? Bleiben diese Fragen offen, fehlt Mitarbeitenden die Orientierung und Beurteilungen wirken schnell beliebig.
Das gilt auch für Performance Pay. Leistungsdifferenzierte Vergütung kann nur dann nachvollziehbar sein, wenn die Kriterien klar sind und zur tatsächlichen Arbeit passen. Transparenz über Leistung ist damit eine Voraussetzung für faire Entscheidungen.
Kultur zeigt sich im Arbeitsalltag
Neben messbaren Ergebnissen prägen Zusammenarbeit und Vertrauen die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens. Alfred Berger verwies auf die Bedeutung gemeinsamer Rituale und kultureller Unterschiede: Ein gemeinsames Mittagessen kann in einem Land ein wichtiger Teil des Arbeitsalltags sein, während es anderswo eine geringere Rolle spielt. Auch in der Produktion können gute Arbeitsbedingungen, ein verlässliches Team und eine faire Beteiligung am Erfolg entscheidend sein.
Elke Berger hob hervor, dass Mitarbeitende wissen müssen, was von ihnen erwartet wird und wo ihre Verantwortung beginnt und endet. Ebenso wichtig ist ein Umfeld, in dem Fragen gestellt und Fehler angesprochen werden können. Wer Neues ausprobiert, wird nicht jeden Versuch beim ersten Mal fehlerfrei umsetzen. Eine konstruktive Fehlerkultur hilft, Erfahrungen zu nutzen und schneller zu lernen.
Technologie verändert Arbeit und erhöht den Wert guter Entscheidungen
Auch der Einsatz künstlicher Intelligenz wirft neue Fragen für Performance Management auf. Tobias Thomas verwies darauf, dass frühere Innovationswellen die Arbeit verändert, aber nicht einfach abgeschafft haben. KI könne helfen, Produktivitätsgewinne zu erzielen, brauche dafür jedoch einen angemessenen Rahmen.
In der Unternehmenspraxis wird bereits geprüft, wie KI-Dokumentationen unterstützen oder Informationen auswerten kann. Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche Aufgaben automatisiert werden sollten und wo menschlicher Dialog unverzichtbar bleibt. Wenn Ergebnisse schneller vorliegen, gewinnt ihre Einordnung an Bedeutung: Menschen müssen verstehen, was sie bedeuten und welche Konsequenzen daraus folgen.
Die Diskussion der Convention machte damit ein breites Verständnis von Performance sichtbar. Leistung entsteht, wenn wirtschaftliche Ziele, klare Erwartungen, passende Kennzahlen und gute Arbeitsbedingungen zusammenwirken. Wie dieses Zusammenspiel konkret aussieht, unterscheidet sich von Organisation zu Organisation. Die Aufgabe des Performance Managements ist es, diese Unterschiede ernst zu nehmen und daraus eine Steuerung zu entwickeln, die sowohl Ergebnisse ermöglicht als auch für die Menschen nachvollziehbar bleibt.


Danke für Ihre Teilnahme
Wir freuen uns, wenn die Impulse des Abends in Ihren Gesprächen und im Arbeitsalltag weiterwirken. Danke für Ihre Teilnahme und den offenen Austausch.
Bleiben Sie mit unserem Kienbaum Österreich Newsletter auf dem Laufenden
Bleiben Sie mit unserem regelmäßig erscheinenden Newsletter auf dem Laufenden und verpassen Sie keine neuen Studien, Events & Webinare.
Mit dem Kienbaum Österreich Newsletter erhalten Sie einen regelmäßigen Überblick über alle aktuellen Kienbaum News des Office in Wien:
- Anstehende Veranstaltungen und Webinare
- Studien, Whitepaper und Publikationen
- Neue Produkte, Services und Tools
- Einbezug in aktuelle Studienerhebungen
Österreich Newsletter Anmeldung
Ich gebe mein Einverständnis, mir zukünftig den oder den oben gewählten Newsletter via E-Mail zukommen zu lassen. Ich stimme zu, dass meine oben genannten Daten für diese Zwecke durch die Kienbaum Consultants International GmbH gespeichert werden. Meine Zustimmung besteht bis auf Widerruf. Ein Widerruf ist jederzeit möglich und kann gerichtet werden an vienna@kienbaum.com. Siehe hierzu auch unsere Datenschutzinformationen.